Verfasst von: Mem | Juli 21, 2008

WoW ain’t no rocket science

Wie so oft – der Gedanke zum Post kam unter der morgendlichen Dusche. Was will ich damit sagen. Viele Leute, mit denen ich in letzter Zeit drüber geredet haben, stimmen mir zu, dass es im Endeffekt für jeden, der etwas ambitionierter spielt (also sprich nicht nur Kara raidet) kein Problem sein dürfte, 80 % der möglichen Performance aus seiner Klasse herauszuholen.

Wie komme ich zu dem Schluss? Zum einen durch die Nachbetrachtung des Raids gestern, wo ich quasi endgültig da angekommen bin wo ich mit Mesh damals aufgehört habe, also in der Progression. Wenn ich mir da meine WWS anschaue (die eine Seite der Medaillie) zum anderen aber auch Revue passieren lasse, wie die Encounter gelaufen sind, was ich wie wo hätte anders machen können – dann muss ich sagen, dass ich gestern meiner bescheidenen Meinung schon weit jenseits der 80 % war. Eigenlob stinkt sicherlich. :) Zum anderen aber auch, weil es mittlerweile so einfach geworden ist, sich Wissen zu seiner Klasse zu verschaffen, was mehr als die halbe Miete ist. Es bleibt dann die Umsetzung des Wissens bzw das Austesten der Informationen auf ihre Anwendbarkeit. Wer aber bereits 1-3 Jahre WoW spielt, wird relativ schnell merken, was geht und was nicht. Wie man bestimmte Situationen löst. Und wer dann immer noch Fragen hat, fragt die erfahreneren Leute in seiner Gilde/Raid.

Was unterscheidet dann den mittelmäßigen vom guten und den guten von einem sehr guten Spieler. Erstere Unterscheidung ist oft die zwischen dem Knöpfedrücker (der also nur seine 3-4 Standard Spells verwendet und damit zu 90 % der Zeit hinkommt – in den 10 % der Fälle, wo mehr gefordert wird, scheitert er – ebenso in Situationen, wo einfach maximaler Output irgendwelcher Art gefordert wird, weil er hier einfach eben nur 60-80 % vom theoretisch möglichen liefert). Beispiele sind hierfür: Heiler die nie dispeln, Enhancer, die nicht twisten, Tanks die nur mit Macros tanken oder DDler, die irgendwo eine Rotation aufgeschnappt haben und die auch dann noch verwenden, wenn sie längst obsolet durch Patch, Gearänderung oder Encounterumständen obsolet sind.

Der gute Spieler ist oft derjenige, der im Raid seinen Job macht. Nicht mehr, nicht weniger. Sprich: man wird nicht spektakuläre Rettungsaktionen oder omfgwtf DPS von ihm erleben. Aber wenn der Encounter 2k DPS ermöglicht theoretisch, wird er immer bei 1800 liegen. Als Heiler bleiben seine Targets am Leben, als Tank hält er nicht jede Aggro, aber es reicht um die Encounter zu legen, auch wenn der ein oder andere DPSler eventuell bremsen muss. Taktiken setzt er nach einigen Tries mehr oder minder zuverlässig um. Ich denke, dass dieser Spielertyp das Rückgrat der meisten Raids ausmacht. Was ihn von 100 % abhält, ist teilweise mangelndes Theorieknowhow, teilweise Faulheit. Eventuell klickt er. Oder er spielt nicht per Internet sondern per Buschtrommel (sprich 400er Latenzen).

Diese Makel haben die Top Leute eben dann nicht (deshalb sind sie Top, aber nicht nur deswegen). Zwar gibts auch hier so ein paar Gefühlsspieler, die zwar noch nie im Leben irgendwas ausgerechnet haben, was mit WoW zu tun hat, aber trotzdem, obgleich sie diverse Regeln verletzen, top performen. Aber das sind die Ausnahmen (und  oft sind sie dann anderweitig limitiert). Sprich: der Top Spieler kennt seine Klasse theoretisch und praktisch, weiß sie zu bewegen und antezipiert schon viele Dinge, wo der gute Spieler reagiert. Beispiele sind hier AoE Effekte die einschlagen, RSTS (Random Secondary Target Selection) Effekte die vermieden/geheilt werden etc. Andere Beispiele sind Leute, die wirklich praktisch genau das liefern, was theoretisch laut Spreadsheets möglich ist, neben ihren Healassignments noch wie ein Wahnsinniger andere Leute am Leben halten oder auch solche, die schlichtwegs Innovationen für ihre Klasse schaffen (ich kann mich noch gut daran erinnern, wie beim Rogue anfangs von BC keinesfalls so klar war, wie relevant eine schnelle Offhand für den eigenen DPS tatsächlich war). Man wird von diesen Leuten auch selten sehen, dass ein Fehler mehr als einmal gemacht wird. Und wenn er gemacht wird, dann kann derjenige meistens sehr schnell analysieren, woran es hakte und wo die Fehlerkette anfing.

Womit wir beim nächsten Punkt sind: Kommunikationsfähigkeit. Ein funktionierender Raid muss im Progress viele Informationen sammeln und anschließend verwerten. Spieler, die hier keine Angaben machen können oder wollen, bremsen damit den Raid immer ein wenig aus. Je nach Position des Spielers wirkt sich das mehr oder minder gravierend aus. Ähnliches gilt natürlich für Leute, die stundenlang im Voice labern ohne eine sinnvolle Information zu liefern. Danke, no need!

Was will ich mit der Aufstellung sagen? Nicht jedem ist es gegeben, ein Topspieler zu sein. Weil ihm die Anlagen fehlen oder die Zeit und der Wille, wirklich tief in die Materie einzutauchen. Aber jeder, der so viel Zeit in das Spiel investiert, dass er aktiv raidet, der sollte doch zumindest in der Lage sein 2-3 Stunden abzuzwacken, um sich mal einige Dinge anzulesen. Und ebenso sollte der auch in der Lage sein, nach einem Raid kurz mal Revue passieren zu lassen, was er richtig und was er weniger richtig gemacht hat und welche Schlussfolgerungen man hieraus ziehen kann. Umso erschreckender ist es dann, in Random Raids  (und nicht nur da) Leute mit full T6 rumlaufen zu sehen, die an jeglicher Komplikation, die über drücke Knopf x so schnell es geht hinausgeht, hoffnungslos scheitern.

Um nochmal auf meine Leistung gestern zurückzukommen. Ich will niemanden mit meinem WWS langweilen. Aber wie so eine Beurteilung aussehen kann im Kopf will ich mal kurz darlegen: Heilleistung war gut, viel mehr geht denke ich nicht, allerdings hätte ich im nachhinein sicherlich noch ab und zu andere Ränge bei Muuru nutzen können, um besser zu reagieren (auch wenn es keine Folgen gehabt hat), Stellungsspiel geht noch nen Ticken besser, wobei offensiveres Stellungsspiel das Risiko birgt, im entscheidenden Moment sich eine längere Strecke zu bewegen und dann mit dem Heal zu weit zurückzufallen. Da muss ich beim nächsten Mal mal schauen, wenn ich dieselbe Position hab, ob ich da noch was ändern kann/soll. Totemabdeckung war mittelmäßig, meine eigenen Buffs zu überwachen war schon immer eine Achillesferse von mir und das ist auch mit dem Schami noch nicht wirklich besser geworden. Ich glaube zwar, dass sich die Downtime der Totems in Grenzen hielt, aber das war eben noch verbesserungswürdig. Beim Wasserschild muss ich ebenfalls aufpassen, das droppt halt bei so viel AoE Schaden auch mal – wobei die Abdeckung besser war als bei den Totems. Erdschild kann auch noch etwas stärker verwendet werden, wenn Luft dafür da ist. Manamanagement war ok – ich hatte am Ende zwar CD auf allem, aber auch noch 2-3k Mana, was auf jeden Fall ausreichend ist. P2 muss ich mir auf jeden Fall nochmal genauer anschauen, ich denke, da habe ich zu viele AoE Effekte gefangen. Alles in allem: gut, aber es geht noch besser :P


Antworten

  1. Auch ein casualraider kann seine Klasse beherrschen und Theorycraft betreiben. Ich glaub, ich könnte in jedem Raid mithalten, wenn ich meine Freizeit auf WoW ausrichten wollte.

    Entscheidendes Kriterium scheint mir eher die Menge Zeit und das Interesse zu sein, das jemand für die Mechanik der Klasse aufbringt. Ob die praktische Zeit dann in Kara, im PvP oder im BT investiert wird, ist aber meiner Meinung nach weniger wichtig. Ist aber eher die Diskussion, was casual ist, und was nicht. Bin ich mit meinem Pala trotz 63d ttp, gründlichem, auch theoretischem Auslooten aller Skillbäume und keiner Raiderfahrung in 25ern noch ein Casual?

    Lieber Gruss, Imo

  2. Moin Imo,

    ja, es gibt sicherlich auch unter den Leuten, die “nur” Kara raiden, Leute, die ihre Klasse spielen können und sich mehr mit dem Game auseinandersetzen als viele 25er Raider.
    Ich habs aber aus zwei Gründen so typologisiert: einerseits, weil ich diesen Leuten kaum begegne mangels gemeinsamer Interessen und ehrlich gesagt, die spielen ihr Spiel, ich meins. Insofern interessiert es mich nur periphär, was die treiben. Das wird denke ich auch aus dem Eröffnungspost klar.
    Zum anderen: lautet meine Prämisse halt anders, als du sie vielleicht aufgefaßt hast (und was ich wohl nicht klar genug gestellt hab): wer 25er raidet, investiert relativ viel Zeit in das Spiel. Warum nimmt er nicht nen Bruchteil der Zeit und schaut sich mal im Netz nach Infos um.

    Im übrigen nimmt die Typologisierung selber ausdrücklich keinen Bezug auf eine Casual-Powergamer Differenzierung. Es ist halt nur so: einem Casual, der wie du selber sagst, sein Leben nicht an WoW ausrichtet, sondern ab und an mal einloggt, dem nehm ich es nicht krumm, wenn er eben mittelmäßig oder auch einfach nur schlecht spielt. Einem Member in meinem Raidteam hingegen sehr wohl.

    Abgesehen davon und nun kommt eben doch eine Differenzierung: die Encounter in Kara und auch SSC/TK haben (Ausnahme Vashj und KT, wobei auch hier Nerfs zugeschlagen haben) so viel Fehlerspielraum verglichen mit Sunwell (BT nenne ich jetzt nicht, weil die Instanz was den Schwierigkeitsgrad angeht, imho fehldesignt ist, sprich zu leicht – die Fehlertoleranz ist da viel zu groß). Das einzige, was das eventuell in Kara abfängt, ist der Umstand, dass man da oft 2-3 Leute oft nur mitschleift, weil die eben selber 50 % leisten.

    Fakt ist eben auch: Encountererfahrung ist nur schwer auszugleichen weil man immer mal wieder, bewußt oder unbewußt, dort neues lernen kann. Insofern würde ich sagen: ja, auch ein Casual kann in seinem Bereich top spielen. Aber er wird oft, wenn er dann in einen High End Raid gelangt, erstmal viele Fehler machen, weil die Dimensionen andere sind und erlerntes Wissen nicht da ist.

    Womit wir wieder bei Casual vs Raider sind, was ich eigentlich vermeiden wollte. My bad :)

  3. zitat mem: “ja, es gibt sicherlich auch unter den Leuten, die “nur” Kara raiden, Leute, die ihre Klasse spielen können und sich mehr mit dem Game auseinandersetzen als viele 25er Raider.”
    höhö… /nick quotencasual. das problem eines solchen spielers is dann, dass zwar die theorie da is, aber für die praxis die erfahrung fehlt. ich war zb letztens mim schurken mit kara/t4/badgeloot bei archi. ich versteh immer noch nich wie man die tear verkacken kann, aber zweima hab ich zb die insi erst gezündet als ich ins feuer gefeart worden bin. nur hab ich mich da sicher zu sehr auf den enhancer verlassen, der ziemlich dauerhaft tremor stehn hatte, und außerdem hab ich den char davor mindestens ne woche nich mehr gespielt und mindestens vier wochen kein pvp gemacht. und doomfires sind kacke (!) für melees, man wird so verdammt schnell eingekesselt… aber ich glaub die dinger gehn in keinster weise in seine hitbox, sprich autoattacks abbrechen, ihn ins ziel nehmen und “an seinen rockschoß hängen” könnte manchma doch sinnvoll sein bis sich die lage wieder beruhigt hat.
    jedenfalls.
    rakkar

  4. Das ist ja das schöne, dass es nie einfach nur einfach ist und immer verschiedenste Facetten hat, das Spiel.:) bei den komplexen Encountern stimme ich Dir sehr zu, das würde ich mir nicht zutrauen, einfach weil man das lernen muss und nicht sich anlesen kann.
    Hab Deine blogs ab und an gelesen, und fands oft interessant.
    Gruss, Imo

  5. Der Absatz über die “sehr guten” Spieler erinnert mich stark an die bei conspiracy neu gegründete “Elite”, lieblich als “der fehlerfreie Kreis” benannt ;)
    Anfangs alles nur scherzhaft gemeint, entwickelt sich das Ganze derzeit zu einer Art “Die Welle” im Raid. Im eigens für diese “Gruppe” eröffneten (natürlich passwortgeschützten) Channel wird schon jetzt nach jedem Wipe “analysiert”, warum und das wie vielte Mal wir den Boss nun wieder nicht gelegt haben. Alles in meinen Augen relativ lustig; hoffen wir nur, dass das Ganze nicht noch wirklich die Ausmaße des von Morton Rhue in Romanform niedergeschriebenen Experiments annimmt.

  6. nix für ungut aber du hast meiner meinung nach von dem was ich lese gewaltig einen an der rappel…
    geh ma anne frische luft…omg

  7. Ich finds ja interessant, dass du nichtmals einen Nick angibts, der irgendwie identifizierbar ist.

    Unabhängig davon: nein, ich habe keinen am Rappel oder was auch immer. Und ich bin sogar jeden Tag an der frischen Luft und habe einen geregelt RL Job und einen Nebenjob. Wow, ich hoffe, dein Weltbild ist jetzt grad nicht in sich zusammengebrochen.

    Aber ums nochmal pointiert zu sagen: es macht eigentlich keinen Unterschied, ob ich Schach ambitioniert spiele, in der Garage jeden Tag Stunden am Auto schraube, meine Modelleisenbahn auf dem Dachboden pflege, jeden Samstag aufm Fußballplatz in der Landesliga kicke oder halt in einem Progressraid WoW spiele. Ok, letzteres kann ich in meiner eigenen Wohnung machen.

    Achja: du brauchst hier keine Kommentare zu spammen, ich muss die nur freischalten.


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